Chuck Ragan @ Gibson

Der Bericht: Chuck Ragan & the Camaraderie @ Gibson 04.04.2015

18:54 Uhr auf der Zeil in Frankfurt. Der Platz vor dem Gibson füllt sich und neben der „neuen Generation” reihen sich auch alteingesessene Fans mit Hot Water Music T-Shirts in die Schlange ein. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft. Während Skinny Lister der Menge mit ordentlicher Countrymusik einheizen, treibt sich Chuck noch beim Merchandising rum. Dann geht es los. Chuck Ragan and the Camaraderie betreten die Bühne und plötzlich schlägt die Reibeisenstimme einem mit geballter Faust ins Gesicht. Obwohl „Something May Catch Fire“ und „Nomad by Fate“ nur ein Mitwippen erlaubt, meint man doch deutlich die Gänsehaut des Nachbarn spüren zu können. Wer hätte gedacht, dass Country noch den Weg zurück ins Jetzt findet? Statt Circle Pits gibt es Hüftgewackel, statt Headbanging ein vorsichtiges Mitnicken und statt zerrissenen Hosen Double Denim. Die E-Gitarre muss der Akustikgitarre (Chuck Ragan) und Geige (Jon Gaunt) weichen, die Snare Drum streichelt Bouncing Souls-Schlagzeuger George Rebelo mit einem Schlagzeugbesen statt Trommelstöcken und Todd Beene zupft unscheinbar im Hintergrund eine Pedal-Steel-Gitarre. Nur Joe Ginsberg hat heute den Kontrabass zu Hause gelassen und zerstört mit seinem handelsüblichen E-Bass ein bisschen das Bühnenbild. Alles ist eben anders. Aber genau das macht Chuck Ragan and the Camaraderie aus. Seine wilde Seite lebt er seit fast zwanzig Jahren als Frontmann der Punkrockband Hot Water Music aus. Als Solo-Troubadour hat er eine ganz andere Mission: Geschichten erzählen. „Till Midnight“ ist bereits sein drittes Soloalbum, mit dem er nicht nur die Frankfurter Fangemeinde beglückt; im Grunde wieder mit demselben Konzept wie die anderen beiden: Einer Hommage an seine Liebsten. Denn auch an diesem Abend erinnert uns Chuck wieder daran, was wirklich wichtig ist im Leben: Familie, Freunde, die Liebe. Und: Dass man durchhalten soll, auch wenn das Leben manchmal die sichere Schiene verlässt. Letzteres findet sich in Chuck Ragans Repertoire noch nicht, deshalb bedient er sich des Songs „Survivor Blues“ von seinem guten Freund Cory Brannan. Zwei Stunden und eine ordentliche Zugabe später verlässt die Band die Bühne. Und das Publikum? Ist still. Chuck Ragan hat Spuren hinterlassen und so wird doch spätestens jetzt klar: Einen Künstler wie ihn bringt die Musikindustrie heute nicht mehr zustande.



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