jever

[ˈjeːfɐ]

JevastraWallace Vanborn, eigentlich ein cooler Name für eine Band, weil er so etwas Britisches hat. Es sind aber Belgier. Also die Briten des europäischen Festlandes. Wenn man diesen Namen in Spotify eingibt poppen auch gleich drei Alben auf. Die hören sich auch ganz originell an und haben kreative Songtitel (z.B. „Supply & The Damned“). Obendrauf haben Sie auch noch irgendetwas mit Queens of the Stone Age zu tun. Na dann findet man das ja gleich ziemlich interessant und genau deswegen haben Dirk und ich beschlossen uns die Band am vergangenen Freitag anzuschauen. Ich bin zu spät und trinke erstmal Fritz Kola (Stevia). Dirk ist schon da und trinkt Jever. In der Kaschemme unserer Wahl –  in der glücklicherweise auch das Konzert ist – gibt es dann erstmal eine extrem seltsame Unterhaltung mit dem Chef des Ladens. Während wir an der Bar anstehen, haben wir wohl den Platz der Mundharmonika des Sängers besetzt. Prompt fragt er uns, ob wir uns wirklich die Band antun wollen. Die kennt doch keiner und 8€ kostest es auch noch. Wir kämpfen uns also am Kaschemmen-Chef vorbei und gehen in den Mini-Keller, der durch drei Astra-Kühlschränke noch künstlich verkleinert wurde, um noch ein wenig Proberaum-Atmosphäre zu schaffen.

Das Konzert hat schon begonnen. Ich bin die ersten drei Songs erstmal schlecht gelaunt und knottere irgendwas über einfallslose Riffs. Dirk muss deswegen die Band aus Prinzip verteidigen. Gelingt ihm leider nicht, da er betrunkener ist als ich. Also lasse ich ihm seinen Spaß. Als ich mich an die Band gewöhnt hatte, fand ich es auf einmal auch ganz gut. Vielleicht war das auch einfach nur die mittelprächtige Energie, mit der die drei Belgier ihre Songs rüberbrachten, die riesigen Effectpedal-Boards des Bassisten und des Sängers/Gitarristen. Der Schlagzeuger – und wie sich später rausstellte Whiskey-Nerd – war totally Heavy f’ing Metal und wollte die Songs immer ein wenig härter spielen als sie eigentlich waren. Ein Bier später hieß es leider schon “two more songs”. Bummer, der effektgeladene Soundteppich am Ende machte Lust auf mehr. Aber ehrlich gesagt: affig!

Ok, das Konzert ist tatsächlich nach 45 Minuten vorbei, was nun? Wir gehen hoch an die Theke und möchten diskutieren. Ist auch gut so, denn alle drei GästeWallace Vanburn und die Barkeeperin freuen sich darüber, dass mal überhaupt jemand in dem Laden den Mund aufmacht. Ich bringe mein Lieblingsthema a.k.a. Eisbrecher des Nordens auf: Spricht man das „V“ in Jever wie ein „W“ oder wie ein „F“? Ich bin überzeugt, dass es wie ein „F“ ausgesprochen wird – man spricht schließlich auch nicht „Ewa“ oder „ewangelisch“ – und ignoriere also alle die anderer Meinung sind. Auf das Wort „oval“ ist auch keiner gekommen, ich schnaufe also durch.

Dirk kauft sich derweil alles vom Merchandise, was ein wenig wie Vinyl aussieht. Auch die Solo-Scheibe des Sängers. (ich glaube eine von drei Prägungen).  Den hat Dirk auch gleich mit Edding bewaffnet an die Theke gezogen. Wir haben ein Musikblog und so, möchten über das Konzert schreiben, blablabla. Er kommt dabei (gewollt) wie ein male Groupie rüber. Dabei will er doch nur ein paar Bier mit ihm und der Band trinken. Als die Wallace Vanborns bemerkt haben, dass Dirk gerade 3 Platten gekauft hat – und damit ihren Gewinn des Abends verdreifacht hat – sind sie auf einmal ganz nett zu ihm. Best buddies for life, is klar.

Wallace Vanborn spielen keine Zugaben, aus Prinzip, macht ja schließlich jeder. Darauf spricht Dirk den Ian (das Frontmännele) auch gleich mal an. Bevor er seine fadenscheinige Begründung anhört, regt sich Dirk erstmal darüber auf, dass keiner in Deutschland bei Konzerten „encore“ oder „one more song“ ruft, sondern nur total ignorant „Zugabe“. Platz 234 auf meiner „Things I don’t give a fuck about“-Liste. Aber für Dirk ist das irgendwie total wichtig, also spricht er immer wieder davon. Ich schreibe dann halt darüber.

shotthroughtheheartWir fragen ihn dann erstmal danach, wie sich seine Singer-Songwriter-Platte so anhört. Wir grinsen dabei, da uns am Merchandise-Stand gesagt wurde, dass er den Singer-Songwriter-Begriff nicht ganz so toll findet. Wir sollen es eher als Gay Pop bezeichnen. Naja, whatevs. Singer-Songwriter ist so Klischee, bestätigt Ian dann. Klingt schon leicht affektiert, denke ich mir und beschließe seine Meinung als Klischee abzuheften. Dann erzählt er uns, dass er seinen Tourmanager feuern will, weil er sie in so einen kleinen Laden gebucht hat. Ok, es waren nur 17 Leute da (19, wenn man Guitar-Tech und den „Roadie-für-Alles“ dazuzählt) aber dennoch: unsympathisch, albern und nicht zielführend wenn er nicht zufällig selbst der Tourmanager wäre. Pretty much angenervt von seinem Gelaber frag ich ihn dann noch warum seine teure Gibson sich dauernd verstimmt. “Ist halt Rock n‘ Roll” konkludieren wir beide anschließend. Ich habe mir bis heute nicht verziehen, dass ich mich nett mit ihm unterhalten habe. Ich hatte also keine Lust mehr auf die Unterhaltung und suchte ne Exitstrategie. Ian musste zum Glück pissen und erzählte noch irgendetwas von Weed & Champagne. Na dann. Dirk und ich gehen dann Whiskey trinken. Ich an der Bar, mit der Barkeeperin und ihren Freundinnen. Dirk mit der Band und gefühlt dem Rest des Publikums. Dabei darf auch jeder etwas auf seine Platten malen (siehe Foto rechts).

 

Dabei kann ich nur an eins denken:

In Belgien sind Wallace Vanborn anscheinend schon ein größeres Ding mit vierstelligen Zuschauerzahlen und so. Deswegen haben sie auch schon ganz schön viel Einstellung. Ich höre sie mir glaube ich nicht mehr an (Nachtrag, 4 Wochen später, seitdem nie wieder gehört UND Bandnamen vergessen). Wenn Größen wie Jason Aalon Butler in einem nur unwesentlich größeren Laden und nicht viel mehr Zuschauern in Berlin sich die Kehle ausschreit, Boxen umtritt und mit den Füßen von der Discokugel hängt kann man von solchen Stoner-Rock-Vögeln ein wenig mehr Motivation und „Appreciation“ erwarten.

In disem Sinne. Over and out…

Wallace Vanborn, eigentlich ein cooler Name für eine Band, weil er so etwas Britisches hat. Es sind aber Belgier. Also die Briten des europäischen Festlandes. Wenn man diesen Namen in Spotify eingibt poppen auch gleich drei Alben auf. Die hören sich auch ganz originell an und haben kreative Songtitel (z.B. „Supply & The Damned“). Obendrauf haben Sie auch noch irgendetwas mit Queens of the Stone Age zu tun. Na dann findet man das ja gleich ziemlich interessant und genau deswegen haben Dirk und ich beschlossen uns die Band am vergangenen Freitag anzuschauen. Ich bin zu spät und trinke erstmal Fritz Kola (Stevia). Dirk ist schon da und trinkt Jever. In der Kaschemme unserer Wahl -  in der glücklicherweise auch das Konzert ist - gibt es dann erstmal eine extrem seltsame Unterhaltung mit dem Chef des Ladens. Während wir an der Bar anstehen, haben wir wohl den Platz der Mundharmonika des Sängers besetzt. Prompt fragt er uns, ob wir uns wirklich die Band antun wollen. Die kennt doch keiner und 8€ kostest es auch noch. Wir kämpfen uns also am Kaschemmen-Chef vorbei und gehen in den Mini-Keller, der durch drei Astra-Kühlschränke noch künstlich verkleinert wurde, um noch ein wenig Proberaum-Atmosphäre zu schaffen. Das Konzert hat schon begonnen. Ich bin die ersten drei Songs erstmal schlecht gelaunt und knottere irgendwas über einfallslose Riffs. Dirk muss deswegen die Band aus Prinzip verteidigen. Gelingt ihm leider nicht, da er betrunkener ist als ich. Also lasse ich ihm seinen Spaß. Als ich mich an die Band gewöhnt hatte, fand ich es auf einmal auch ganz gut. Vielleicht war das auch einfach nur die mittelprächtige Energie, mit der die drei Belgier ihre Songs rüberbrachten, die riesigen Effectpedal-Boards des Bassisten und des Sängers/Gitarristen. Der Schlagzeuger – und wie sich später rausstellte Whiskey-Nerd - war totally Heavy f'ing Metal und wollte die Songs immer ein wenig härter spielen als sie eigentlich waren. Ein Bier später hieß es leider schon "two more songs". Bummer, der effektgeladene Soundteppich am Ende machte Lust auf mehr. Aber ehrlich gesagt: affig! Ok, das Konzert ist tatsächlich nach 45 Minuten vorbei, was nun? Wir gehen hoch an die Theke und möchten diskutieren. Ist auch gut so, denn alle drei Gäste und die Barkeeperin freuen sich darüber, dass mal überhaupt jemand in dem Laden den Mund aufmacht. Ich bringe mein Lieblingsthema a.k.a. Eisbrecher des Nordens auf: Spricht man das „V“ in Jever wie ein „W“ oder wie ein „F“? Ich bin überzeugt, dass es wie ein „F“ ausgesprochen wird - man spricht schließlich auch nicht „Ewa“ oder „ewangelisch“ – und ignoriere also alle die anderer Meinung sind. Auf das Wort „oval“ ist auch keiner gekommen, ich schnaufe also durch. Dirk kauft sich derweil alles vom Merchandise, was ein wenig wie Vinyl aussieht. Auch die Solo-Scheibe des Sängers. (ich glaube eine von drei Prägungen).  Den hat Dirk auch gleich mit Edding bewaffnet an die Theke gezogen. Wir haben ein Musikblog und so, möchten über das Konzert schreiben, blablabla. Er kommt dabei (gewollt) wie ein male Groupie rüber. Dabei will er doch nur…

Wallace Vanborn Konzert

Performance - 72%
Attitüde - 17%
RnR - 49%
Wiederhörwahrscheinlichkeit - 0%

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