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Jawbreaker – 24 Hour Revenge Therapy 1994/2014

Ich kann mich nicht an 1991 erinnern. Mit meinen zarten fünf Jahren hatte ich wahrscheinlich auch mehr mit den neusten Yps-Heft Gimmicks und Cartoons als mit der Entwicklung der Punk und DIY Szene zu tun. Wie gesagt, ich kann mich nicht erinnern. Trotzdem wäre ich gerne dabei gewesen. 1991 – The Year Punk Broke. Eine Szene wächst über sich heraus, raus aus Schatten und Gossen der Gesellschaft. In der pre-Internet Ära waren Bands, welche DIY lebten und sich mit Major Labels nicht anfreunden konnten, eigentlich zur ewigen Bedeutungslosigkeit verdonnert, ohne Chance, jemals genügend Anerkennung (und Geld)  für ihre Leistungen zu bekommen. So weit, so trivial. Nirvana dominierten mit Nevermind sowohl Musikfernsehen als auch Radiostationen und die Hörgewohnheiten des „Mainstreams“ änderten sich. Noch trivialer. Aber – während man sich früher sicher sein konnte, dass man mit einem „Butthole Surfers“ T-Shirt-Träger etwas gemeinsam hatte führte das radikale Umschwenken der dominierenden Meinungsmacher in Sachen Musik dazu, dass auch einstmals kleine Bands mit solider, verbundener Fanbasis in die Öffentlichkeit kamen. Und man mit dem T-Shirt-Träger nichts mehr gemein hatte. Alles was Punk oder Grunge oder Underground war wurde eine Gelddruckmaschine, denn es lag Rebellion in der Luft. Und die konnte man verkaufen. Organisierter Sell Out?  Das definierte Ausgrenzen der Punks war in Gefahr – Mainstream – nicht mit mir! Ich will meine kollektive Individualität wieder. Viele der kleineren Bands standen vor einem Dilemma – schwimmt man im Mainstream mit und verärgert die “alteingesessenen” Fans oder versucht man sich mit allen Mitteln von der Masse der Bands, welche endlich ins Rampenlicht wollten, abzugrenzen – und wenn ja wie.  Selbst wenn man sich treu blieb – schnell hatte man seine “Credibility” verspielt, einfach weil man nicht Anti genug war.Und hier mussten auch Jawbreaker durch. 1986 gegründet und mit 2 erfolgreichen Alben und vielen Fans gesegnet, standen sie vor der Aufgabe, in dieser Make or Break Zeit ein Album zu veröffentlichen, ein Album, das sie als Band und ihre Einstellung zur Musikszene definiert – und an dem sie, wie man mittlerweile merkt, auch noch heute gemessen werden.

Natürlich wäre es toll, wenn ich hier echte Erfahrungen als Zeitzeuge liefern könnte. Wenn ich auch die Stimmung in den Clubs, in denen Jawbreaker auftraten, schildern könnte. Nur um eine Anekdote darüber, dass man sich bei Konzerten nicht mehr kannte, dass alles unpersönlicher wurde, liefern zu können. Kann ich aber nicht. Brauche ich auch nicht. Und um zu verstehen, dass es Jawbreaker wichtiger war, sich selbst treu zu bleiben, und wie sie sich auch gleichzeitig nicht von den Skeptikern, die bei kleinsten Abweichungen zum Voraulbum „Sell Out“ schrien, einschüchtern haben lassen, braucht man eigentlich nicht mehr als das Album. Betrachtet man sich das High Gloss Produkt – man kann den Zorn in den Augen der Fans fast sehen. Die aufwändigere Produktion. Die weichere Stimme von Blake Schwarzenbach. Alles ein Affront an die Fans der ersten Stunden. Und alles Panikmache von verängstigten Kleinkindern, die ihre Bands lieber alleine im Keller hätten als diese zu teilen, die alles dafür getan hätten, nur um weiterhin elitär zu sein. Das schlimmste – trotz des Meisterwerkes, welches die Band mit 24 Hour Revenger Therapy ablieferte, waren die verhaltenen Reaktionen der Fans.  Darf man das noch mögen? Zum Glück erklärt die Band das selbst:

“I just wrote the dumbest song/ It’s gonna be a sing along”

“You’re not punk and I’m telling everyone/ Save your breath, I never was one”

“I was passing out when you were passing out your rules/ One, two, three, four/ Who’s punk?/ What’s the score?”

 

Natürlich erzähle ich das hier mit genügend zeitlichem Abstand. Ich musste mich nicht davor fürchten, meinen hart erarbeiteten Punk-Status durch die neueste Jawbreaker CD zu riskieren. Ich kann einfach nur genießen. Ich kann mich einfach über Songs für die Ewigkeit freuen. Und die Gänsehaut beim hören. Bei jedem Lied.

 

Achja, viel Spaß beim streiten, ob Jawbreaker Punk ist ihr Emos.

Ich kann mich nicht an 1991 erinnern. Mit meinen zarten fünf Jahren hatte ich wahrscheinlich auch mehr mit den neusten Yps-Heft Gimmicks und Cartoons als mit der Entwicklung der Punk und DIY Szene zu tun. Wie gesagt, ich kann mich nicht erinnern. Trotzdem wäre ich gerne dabei gewesen. 1991 – The Year Punk Broke. Eine Szene wächst über sich heraus, raus aus Schatten und Gossen der Gesellschaft. In der pre-Internet Ära waren Bands, welche DIY lebten und sich mit Major Labels nicht anfreunden konnten, eigentlich zur ewigen Bedeutungslosigkeit verdonnert, ohne Chance, jemals genügend Anerkennung (und Geld)  für ihre Leistungen zu bekommen. So weit, so trivial. Nirvana dominierten mit Nevermind sowohl Musikfernsehen als auch Radiostationen und die Hörgewohnheiten des „Mainstreams“ änderten sich. Noch trivialer. Aber - während man sich früher sicher sein konnte, dass man mit einem „Butthole Surfers“ T-Shirt-Träger etwas gemeinsam hatte führte das radikale Umschwenken der dominierenden Meinungsmacher in Sachen Musik dazu, dass auch einstmals kleine Bands mit solider, verbundener Fanbasis in die Öffentlichkeit kamen. Und man mit dem T-Shirt-Träger nichts mehr gemein hatte. Alles was Punk oder Grunge oder Underground war wurde eine Gelddruckmaschine, denn es lag Rebellion in der Luft. Und die konnte man verkaufen. Organisierter Sell Out?  Das definierte Ausgrenzen der Punks war in Gefahr - Mainstream - nicht mit mir! Ich will meine kollektive Individualität wieder. Viele der kleineren Bands standen vor einem Dilemma – schwimmt man im Mainstream mit und verärgert die "alteingesessenen" Fans oder versucht man sich mit allen Mitteln von der Masse der Bands, welche endlich ins Rampenlicht wollten, abzugrenzen – und wenn ja wie.  Selbst wenn man sich treu blieb - schnell hatte man seine "Credibility" verspielt, einfach weil man nicht Anti genug war.Und hier mussten auch Jawbreaker durch. 1986 gegründet und mit 2 erfolgreichen Alben und vielen Fans gesegnet, standen sie vor der Aufgabe, in dieser Make or Break Zeit ein Album zu veröffentlichen, ein Album, das sie als Band und ihre Einstellung zur Musikszene definiert – und an dem sie, wie man mittlerweile merkt, auch noch heute gemessen werden. Natürlich wäre es toll, wenn ich hier echte Erfahrungen als Zeitzeuge liefern könnte. Wenn ich auch die Stimmung in den Clubs, in denen Jawbreaker auftraten, schildern könnte. Nur um eine Anekdote darüber, dass man sich bei Konzerten nicht mehr kannte, dass alles unpersönlicher wurde, liefern zu können. Kann ich aber nicht. Brauche ich auch nicht. Und um zu verstehen, dass es Jawbreaker wichtiger war, sich selbst treu zu bleiben, und wie sie sich auch gleichzeitig nicht von den Skeptikern, die bei kleinsten Abweichungen zum Voraulbum „Sell Out“ schrien, einschüchtern haben lassen, braucht man eigentlich nicht mehr als das Album. Betrachtet man sich das High Gloss Produkt – man kann den Zorn in den Augen der Fans fast sehen. Die aufwändigere Produktion. Die weichere Stimme von Blake Schwarzenbach. Alles ein Affront an die Fans der ersten Stunden. Und alles Panikmache von verängstigten Kleinkindern, die ihre Bands lieber alleine im Keller hätten als diese zu teilen, die alles dafür getan hätten, nur um weiterhin elitär zu…
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'Jawbreaker – 24 Hour Revenge Therapy 1994/2014' have 1 comment

  1. Oktober 31, 2014 @ 12:17 pm Linn Skinnerd

    Das Schöne an der Sache: Die Atmosphäre, vielleicht nicht genau so wie damals, aber so ein Funke von Anarchie und Fuck You-Attitüde kommt trotzdem noch rüber, wenn man Jawbreaker live anguckt. Und: zeigt, dass Punk niemals Mainstream werden kann. Niemals.

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